Die Pickertmännlein (der alte Pickertkrug)

Pickert

Es war einmal ein armes Bäuerlein in Theesen, das hatte einige Hufe Land und bestellte es mit Kartoffeln und Weizen. Aber es hatte schlechte Zeiten hinter sich. In einem Jahr war eine große Dürre gewesen, im nächsten war ihm die Ernte verhagelt, zudem hatte ein böser Käfer seine Kartoffeln befallen. So konnte er nichts auf den Markt bringen, und des Jahres mühevolle Arbeit war umsonst gewesen. In seiner Not ging er zu einem Geldverleiher.

“Kannst du mir 10 Dukaten leihen,” fragte er, “ich werde sie im nächsten Jahr zurückzahlen. “Ho, sicher kann ich Dir die leihen, aber ich verlange Zinsen. Im nächsten Jahr musst Du mir dann 20 Dukaten zurückzahlen,” war die Antwort.

Was sollte der arme Bauer machen, er willigte in den schlechten Handel ein. Im nächsten Jahr aber erging es ihm noch schlimmer. Sein einziges Pferd litt an Koliken und die Hühner bekamen die Pest. Und als der Tag heran kam, an dem er zahlen musste, stand er mit leeren Händen vor seinem Gläubiger.
“Ho,” sagte der “ich nehme deinen Hof als Pfand, und wenn du mir im nächsten Jahr nicht zahlst, ist dieser der meine!”
Traurig ging der Bauer nach Hause. Doch auch im folgenden Jahr konnte er die große Summe nicht aufbringen. Voller Verzweiflung stand er vor seinem Geldgeber:

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Der Bauer lief nach Hause zu seiner Frau; “Frau, hole die letzten Kartoffeln aus dem Keller, und kratze das Mehl zusammen. Borge Dir beim Nachbarn ein paar Eier und von Bäcker etwas Hefe. Morgen musst Du Pickert backen.”

Der nächste Morgen kam heran, und die Bäuerin buk einen riesigen Berg Pickert. Als es 12 Uhr schlug, kam der Geldverleiher mit seinem Knecht. Oh Schreck, es war Siebenmaul, der größte Fresser im Lande. Er konnte mit einem Happs so viel verzehren wie sieben Mäuler zusammen. Es ertönte das Startsignal und der Wettkampf begann. Als das Bäuerlein beim dritten Pickert angekommen war, hatte Siebenmaul schon seinen siebenten weggeputzt. Beim vierten war der Bauer satt, und den fünften würgte er mit großer Mühe in sich hinein. Der sechste hing ihm halb zum Halse heraus, beim siebenten konnte er nicht mehr. Er war verzweifelt.

Da sah er auf einmal, wie ein winziges kugelrundes Wesen unter dem Teller hervorkroch. Es war das Pickertmännlein. “Halt tapfer durch,” wisperte es “wir werden Dir helfen. Du brauchst nur jeden weiteren Pickert ein bißchen anzulecken, das übrige besorgen wir.” Und husch, huch, husch hatte er alle seine Brüder und Schwestern herbei gerufen, und sie saßen unsichtbar um den Teller herum. Siebenmaul war beim zehnten Pickert. Aber erstaunlich, das Bäuerlein schien aufzuholen. Verwundert schüttelte der Geldgeber den Kopf, der kleine Kerl hat doch auch nur einen kleinen Magen. Die Männlein kicherten und mampften weiter.

49 Pickert hatte der Siebenmaul verschlungen. Da quoll ihm der 5o.ste aus den Ohren heraus, und er fiel um. Der Bauer leckte gerade den 51.sten an. Wütend schrie der Verleiher:
“Du bist mit dem Teufel im Bunde, du bist mit dem Teufel im Bunde.” Dann rannte voller Grausen davon und wurde nie wieder gesehen.

Der Bauer und seine Frau lebten fortan glücklich. Sie waren durch die Wette berühmt geworden, und alle wollten ihnen in ihrer schweren Zeit helfen. Ihr ältester Sohn hat vor 200 Jahren ein Gasthaus eröffnet, das er “Kahler Krug” nannte, aber die Leute gaben ihm den Namen “Pickertkrug”, denn hier gab es den besten Pickert von ganz Westfalen.

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