Archiv für März 2014

Lumpi in Omas Jugendzeit.

 

40 Oma mit Kindern blau

 

Jetzt erzähle ich eine Lumpigeschichte für die Omas und
deren Mütter. Ironisch möchte ich sagen, auch zum
Mitsingen geeignet, denn die Worte und Melodien haben
sich leider unlöschbar in unsere Hirne eingenistet.

l Lumpi in Omas ZeitIt

Lumpi ist nicht allein auf der Welt, auch Oma wohnt in Bielefeld,
Als er in den ersten Jahren noch so klein und unerfahren,
brauchte man nicht lange bitten, Oma kam zum Babysitten.
Heut’ will Lumpi sie besuchen, er hofft es gibt Schok’ladenkuchen.
Oma sitzt nicht mit Strickzeug da, grad chattet sie mit Eva in Amerika.
Ganz nahe ist er nun gerückt und hat seinen Stift gezückt,
hat sein Notizbuch mitgebraucht, denn er hatte sich gedacht:
„Kenn Länder, Meere, Himmelzelt, doch Du hast mir noch nie erzählt,
wie es so war, als Du mal klein, das wird doch sicher spannend sein.

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Ort und Zeit vergehen im Traum, er sitzt in Omas Klassenraum.
Da hocken sie alle brav und still, Hände gefaltet, wie Lehrer es will.
Mit sauberer Schürze und Schleife im Haar scheint es alles wunderbar.
Nachmittags wird in diesen Jahren gern mit dem Wipproller rumgefahren.

 

40 meine Klasse

 

Zum Luisenbund geht man hin und wieder und singt als Kornblümchen
Kinderlieder.
In blauem Kleid macht man Ringeltanz und trägt aus dem Kopf einen
Kornblumenkranz,
denn dieses bescheidene kleine Ding war die Lieblingsblume der Königin.
“Die Blümelein sie schlafen schon längst im Mondenschein”.
Und wir sind lieb und arglos, wir sind ja noch so klein.

Kornblümchen

Damals war`s ein unruhig Leben. Es hat etwa 30 Parteien gegeben.
Es gab keinen, der sie friedlich vereint, denn alle waren sich spinnefeind.
Die Not im Land ist riesengroß, das halbe Volk ist arbeitslos-
Als Lumpi am Jahnplatz spazieren gegangen, da hat plötzlich eine
Schießerei angefangen,
und einer schreit ganz außer Atem:
“Licht aus , Messer raus, Noske kommz mit Handgranaten!!”
Lumpi hat sich sehr erschreckt und sich im Mertenshaus versteckt.
Als wieder Ruhe, sah der Tropf zwei Einschußlöcher neben seinem Kopf
Was Wunder, wenn er sich gedacht, es muß einer kommen, der da
Ordnung macht.

(Noske war als Minister zuständig für das Mlitär)

42 Straßenschlacht fertig

Nach Berlin an einem Wintertag fährt Lumpi mit dem alten Hanomag,
um seine Tante zu besuchen und freut sich auf den Geburtstagskuchen,
doch am Brandenburger Tor geht’s weder rückwärts oder vor.
Lumpi kann es garnicht fassen, riesengroße Menschenmassen
und Polizei, übergenug, schauen auf einen Fackelzug.
Hitler hat’s zum Kanzler gebracht, nun ergreift er seine Macht.

31

Und auf einmal ändert sichs allerorten, aus Kornblümchen sind
Jungmädel geworden.
Weihevoll, wie’s einer Taufe gleicht, wird der lederne Knoten gereicht.
Und man singt am lodernden Feuer im Chor: „Flamme empor.“
Feuer hat große Bedeutung bekommen, es ist dem heidnischen Glauben
entnommen.

Flamme empor

Was für Kartoffeln und Boskoop vom Baum, das wird auf einmal zum
Luftschutzraum.
Üben mit Gasmaske ist gefordert, der Luftschutzwart hat’s angeordnet.
So tapst Pimpf Lumpi blind herum und findet das gewaltig dumm.
Sand und Wassereimer stellt man bereit, aber, es war noch nicht so weit.

Gasmaskenprobe

Sonntags gibt’s keinen Braten mehr, es muß ein Eintopfessen her.
Ob Erbsen- oder Graupensuppe, das war dem Führer wirklich schnuppe.
Er geht uns, wie man sehen kann, mit gutem Beispiel stets voran.

eintopf

Alleweil ist man dann bereit, für’s WHW ist immer Zeit.
Man läßt die Sammelbüchsen rasseln, auf daß die Groschen darein
prasseln.
Man steckt den Spendern Bildchen an, so sieht man, wer es nicht getan.
Lumpi will mit trommeln stützen, mag’s der Winterhilfe nützen.

40 Hitler WHW Sammeln

Den Samstag man besonders mag, denn der ist nun Reichsjugendtag.
Man büffelt nicht mit großem Ziele, man macht im Wald Geländespiele.
Heut keine Mühe keinen Frust, wir danken es dem lieben Rust.
Ein jeder kraxelt so gut er kann, man hat ja ’ne Kletterweste an.
Den Wimpel klaun gilt die Bemühung. Das Ganze nennt man
Wehrerziehung.
Verdreckt und müde dann am Ziel, doch noch gibt es genug Persil.

(Rust war Reichsminister für Wissenschaft und Erziehung)

Geländespiele

Allein die Hymne tuts nicht mehr, Horst Wessels Lied muß hinterher.
„Die Fahne hoch, die Reihn geschlossen, SA marschiert mit festem Tritt.
Und jene, die man hat erschossen, marschieren dann im Geiste mit.“
Es wird ein Fahnenkult getrieben, seine Fahne muß man lieben.
„ Unsre Fahne flattert uns voran, in die Zukunft ziehn wir Mann für Mann.
Die Fahne führt durch Nacht und Not, die Fahne ist mehr als der Tod.“
Müssen wir das wirklich glauben, will man uns die Zukunft rauben?
Doch solch Denken liegt uns fern, wir haben uns’re Fahne gern.
Und wir grüßen, wie man muß, ordentlich mit Führergruß.

(Horst Wessel ist übrigens in Bielefeld geboren.)

40 Fahnengruß

Weimar ist groß in Mode gekommen, er hat im Elephant Quartier
genommen,
Massen schreiend vor’m Hause stehn: „Wir wollen unsern Führer sehn!“
Wir haben ja keinen Kaiser mehr, als Volksidol muß er nun her.

40 Hitler elefant 2

Ein Deutscher spricht Deutsch! Ein jeder Gesell!
Fremdwörter sind verboten, das ist ein Befehl!
Früher war den Leuten klar, ein Pasant geht auf dem Trottoire.
Ein Zug wird auf dem Perron erwartetm, man stegt ins Cupé,
und das Bähnlein startet.
Heut steht man auf dem Bahnsteig und steigt ins Abteil,
statt dem Konteur hält man dem Schaffner die Fahrkarte feil.
Das Kaschnee trägt man als Halsumhang, und das Chaiselongue
ist eine Liegelang.

Liegelang

Da Konfirmationen altmodisch seien, gibt es nun die Jugendweihen.
Auf Führer und Reich schwört man sich ein und gelobt, dem Volk ein
Genosse zu sein.
Jungs bekommen – was dem Ritterschlag gleicht – ein heilig zu haltendes
Messer gereicht.
Kirchliche Hochzeit sei Bürgerkrampf. Im Standesamt gibt es statt Bibel
„Mein Kampf“.
Doch Göring gibt Emmy mit Pomp den Ring, und sie ist nun unsere Königin.
In der Schorfheide siedelt der gute Mann eine Auerochsenherde an.
Als ob, meint Lumpi, in den braunen Sphären nicht schon genügend Ochsen
wären.

i42 Göring mit Wisent

 

Lumpi findet’s allerhand, ein Hetzbild an der Kirchenwand.
Der Stürmer hört nicht auf zu schreien, daß Juden unser Unglück seien.
An jeder Wand sieht jedermann sich schreckensvolle Fratzen an.
Es sei der Satan, der uns quält, so hat der Stürmer uns erzählt.
Die Hetze ist kaum noch zu nennen, und plötzlich Synagogen brennen.
Man hat’s gesehen und gehört, und alle Leute sind verstört.

42 Stürmer

Hast du denn auch solche Juden gekannt? fragt Lumpi und ist ganz
gespannt.
Meine beste Freundin war Hella Horn, als 3/4-Jüdin ward sie gebor’n.
Als tüchtiger Arzt war ihr Opa bekannt und hochgeachtet im ganzen Land.
Da sind die braunen Gesellen gekommen, haben die Praxis ihm
weggenommen,
haben verfolgt ihn und geschmäht….und eines Tages war es zu spät!
Man verlieh ihm im Weltkrieg das “Eiserne Kreuz”
Jetzt hängt er sich auf am Fensterkreuz!

(Nicht nur Ärzte, Anwälte usw. auch alle Geschäfte wurden
zerstört und geplündert und die Kaufleute enteignet.)

 

42 Judengeschaft

Lumpi will ins Kino gehen, möchte den tollen Rühmann sehn.
Was ist denn grad im Angbot?“ „Es gibt heut „Quax, der Bruchpilot.“
Doch der Besuch wird schnell vertagt, Heimabend ist jetzt angesagt.
Die Mädchen sitzen all im Rund in ihren Jacken schwarz, rot, bunt.
Sie üben sich in Sang und Sing, doch ihr Interessse ist gering.
Der Geist steigt nicht empor zu Sternen, man muß die Geburtstage der
Gauleiter lernen.

42 Heimabend Bild

Und plötzlich ist auf einmal Krieg, die Wochenschau zeigt Sieg für Sieg
Vom Volksempfänger informiert, das ganze Volk nun jubiliert.
Man singt ganz außer Rand und Band:
„Bomben, Bomben, Bomben auf Engeland.“
Man sagt, wir seien ein Volk ohne Raum, also erfüllen wir den Traum
und lassen die Pferdchen gen Osten traben. Wir wollen die Kornkammer
Ukraine haben.
„Von Finnland bis zum Schwarzen Meer
vorwärts nach Osten du stürmend Heer.
Freiheit das Ziel, sieg das Panier,
Führer befiel, wir folgen Dir!“
In Kiew ist Deutsche Reiterei, ich glaube, Lumpi wär gerne dabei.
Wir haben schulfrei, ach wie schön, so könnte es doch weitergehn.

42 Kiev

 

Doch bald zu merken , leider, so geht’s dann nicht mehr weiter.
Es gibt weder Kaffee noch Schokolade, wir haben die Kontinentalblockade.
Die Volksernährung muß nun starten mit bunten Lebensmittelkarten.
5o Gramm Brot gibt es pro Tag und 5 Gramm Fett, wenn man es mag.
Fleisch gibt’s im Monat ein halbes Pfund. Wer sagt denn da: „Na, wie
gesund.“
Bezugsscheine gibt’s für Kleider und Schuhe, vor Modefimmeln hat man
Ruhe.
Uns’re Klasse schreibt im Crüwellhaus Scheine für Seife und Waschmittel aus.

Lebensmittelkarte

Lebensmittelkarte für einen Monat
für Jugendliche von 6 bis 18 Jahren.

Im Winter frier’n uns die Nasen ab, denn Holz und Kohlen sind sehr kapp.
Die Klassenzimmer sind eisekalt, wir hocken in Mänteln und zittern halt.
Zöpfe sind nicht mehr gefragt, Olympiarolle ist angesagt.
Soll beim Frisör die Frisur gelingen, muß man 3 Briketts mitbringen.
Und an den Wänden, schaut nur genau, da klebt ab jetzt der Kohlenklau.
Wen wundert, wenn die Menschen frieren, daß sie dann selbst organisieren.

40 Kohlenklau Bild

Lumpi hat das nicht erwogen, er wird als Flakhelfer eingezogen.
Und er bedient bei Tag und Nacht zur Fliegerabwehr die 8 Komma 8.
Am Schloßhof hat er Stellung besetzt , wird später an die Front versetzt.
Der Krieg ging so allmählich schief. Aus Stalingrad kam sein letzter Brief.
Dann hat man von Lumpi nichts mehr gehört, ob er wohl jemals wiederkehrt?

Flakhelfer 8,8

Hauchstrümpfe kann man nirgens mehr kaufen. Da werden wir eben
barfuß laufen.
Man muß da nur erfinderisch sein, man malt mit Farbe ’nen Strich auf’s Bein
Autos fahr’n nicht, es gibt kein Benzin, und Pferde müssen Kanonen ziehn.
Tanz ist verboten, fällt nicht schwer, es gibt ja daheim kaum Männer mehr.
Nun sind auch noch die Kinos geschlossen, das hat uns nun doch verdrossen.
Mit „Kraft durch Freude“ Reisen machen, darüber kann man nur noch lachen.
Doch das kommt ja wieder – nach dem Sieg – wir wollen den totalen Krieg!

 

Bild

 

Den Vätern gehn langsam die Kugeln aus, die Mütter drehen Granaten
zuhaus,
die Kinder sammeln überall zentnerweise Altmetall.

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Nach dem Abi kommt erst mal der Bescheid, nun wird man eine Arbeitsmaid.
Beim Bauern schuften von früh bis spat, damit das Volk was zu essen hat.
Das ist sozial. Darüber läßt sich nicht streiten. Plakate versprechen herrliche
Zeiten.
Und wenn man Glück hat hier auf Erden, kann man danach noch
Blitzmädchen werden.
Als Funker große Ehre erwerben, oder an der Front den Heldentod sterben.

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Der Krieg dauert schon 6 Jahre lang, immer begleitet von hehrem Gesang.
„Wir werden weiter marschieren, bis alles in Scherben fällt,
denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.“
Wir müssen uns wohl korrigieren, wir werden den Krieg verlieren.
Nur der Deutschlandsender die Lage berichtet, und die wird von Dr.
Goebbels „erdichtet“.
BBC zu hören gilt strenges Verbot, und wird bestraft gleich mit dem Tod.
Sonntags bringt’s Radio Wunschkonzert. Was wird denn da so angehört?
Spieß Schmidt hört, daß er nun Drillinge hat, und bei Müllers fand eine
Hochzeit statt.
Die Lale singt von Lilli Marlen, und Zarah weiß, daß Wunder geschehn.
„ Vor der Kaserne, vor dem großen Tor
stand eine Laterne und steht sie noch davor.“
In der ganzen Welt ist das Lied erklungen, wehmütig haben’s Freund und
Feind gesungen.
„ Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn,
und ich weiß, daß wir uns wiedersehn.“
Dies hat bei Millionen Hoffnung erweckt. Die Propaganda im Reich ist
einfach perfekt,
sie wird durch winzige Röhren vermittelt in dem Kasten, der ” Göbbels Schnauze” betitelt .

Bild

 

Junge Lehrer sind alle im Feindesland, uns lehrt ein Greis im Ruhestand.
“Morgen,” sagt er, “macht Euch bereit, 1.Stunde Mathearbeit!”
Sorgenlos denken wir, woll’n mal sehn, die Schule beginnt bestimmt erst um 10,
denn sind die Bomber nach 12 überm Haus, fallen die ersten 2 Stunden aus.
Was soll man sich in diesen Tagen mit Vektoren und Integralen plagen.”
Mist, 20 Uhr, wer hätt’ es gedacht, sie kommen schon vor Mitternacht.
Vollalarm jetzt die Sirene gellt, der Funk meldet Anflug auf Bielefeld !!

Bomber mit christbaum

 

Wir mußten alle Ritzen verdunkeln, während am Himmel die Lichter funkeln.
Unzählige Christbäume erhellen die Nacht, der Weihnachtsmann hat sie
nicht gebracht.
Wir sitzen im Keller und bibbern vor Schrecken, versuchen die Angst zu
überdecken,
und gröhlen lautstark falsch oder klar: „Wir lagen vor Madagaskar.“
Und plötzlich gehen die Lichter aus, es flog eine Bombe auf das Haus.

Bild

 

Man hat auf Entwarnung vergebens gelauert, die Nacht hat in Ewigkeit
fortgedauert.
Es hat nach Brand und Zement gerochen, und als der Morgen angebrochen,
da rieselte überall der Schutt, und das Haus und die Stadt und das Land
sind kaputt!

 

24 Zerbombt

Lumpi war so müd’ gewesen, hat schlafend auf dem Stuhl gesessen.
Das Ende hat ihn so erschreckt, die Oma hat ihn aufgeweckt,
was war er froh nach all dem Graus , daß dieses

Abenteuer aus.

p.s. Später meinte er:
„Ich kann am Ende nur noch sagen, man sollte mal die Alten fragen,
Kann man durch ihre Brille sehn, wird man ihr Leben erst verstehn.“

Lumpi im Reiche der Stoffe

29 Titel Lumpi Stoffe

Lumpi sitzt vor seinem Haus, seine Freundin schaut heraus.
Und er denkt: „Ich müsste eben dem Kind mal einen Namen geben.
Sie ist so lieb und so patent, doch keiner ihre Herkunft kennt.
Sie ist so fremd und doch so nah, ich nenn’ sie einfach Barbara.
„Das wird gefeiert, mach Dich schön, wir wollen jetzt zu Nico gehn.“
„Ach je, da kann ich doch nicht hin, ich hab doch gar nichts anzuziehn.“
„Lumpi denkt: „So sind die Frauen, da wollen wir doch nun mal schauen.“

29 Fenster mit Baum

Wo nehmen denn von alters her Weibsbilder ihre Kleidung her.
Als Eva in die Welt gekommen, da hat sie nur ein Blatt genommen.
Doch war das Grün vom Feigenbaum nicht grad nach ihrem Modetraum,
denn abgesehen, dass es welkt, auch nicht gerade warm sie hält.
So haben Frauen nachgedacht, woraus man was zum Anzieh’n macht.

29 Eva mit Blatt

Und dort wo stets die Sonne sticht, da braucht man warme Kleidung nicht.
Die Frauen geh’n da nackend fast mit einem Röckchen nur aus Bast.
Und in der Südsee kleiden Leute in dieser Art sich auch noch heute.
Das Äffchen denkt für sich: „Nanu, gehört die Kleine denn dazu?
Willst Du am Dümmerstrand prom’nieren?“ „Nee, da wird ich mich genieren.“

29 Stoffe Baströckchen

Menschen, die in kühlen Zonen sogar im ew’gen Eise wohnen,
die wickelten sich auf der Stelle in dicke, weiche Eisbär’nfelle.
So konnten sie ohne zu motzen, der allergrößten Kälte trotzen.
„So’n Fellkleid würde auch mir stehn, die Bommeln sind besonders schön.“
Eisig bläst vom Pol der Wind, neugierig guckt das Robbenkind.

29 Stoff Inuitweiber

Angorahasen sind im Haus, und Lumpi kennt sich damit aus.
In drei Monden wächst es schnell, das flaumigweiche Kuschelfell,
dann muß es kurz geschoren werden, und seine Wolle fällt zur Erden.
Das Tierchen findet das famos , es ist dann nur noch halb so groß.
Von 100 Gramm der Wollenmenge, gibt’s Garn von 8 Km in Länge.
Und einen Pulli strickt man dann , in dem man sich gut kuscheln kann.

29 Lumpi Stoffe Angorabild 2

Lumpi schaut durchs Lupenglas, erstaunt denkt er: „Was ist denn das?“
Die Raupe drängt’s sich einzuspinnen, ist bald in einer Puppe drinnen.
Kokon, so heißt dies Puppenhaus, es schlüpfte ein Schmetterling heraus.
Man haspelt ab, nach altem Brauch, den spinnwebfaden feine Hauch.
Nach spinnen , weben im Geleite, wird er zu glänzend, edler Seide.

29 Seidenraupentisch

 

Schon vor 10 x Tausend Jahren bauten uns’re Vor-Vorfahren
Flachs an, der auch Lein genannt. Verarbeitung war wohl bekannt.
Die Brechkaul muß die Stengel brechen, dann hechelt man mit Eisenrechen,
bis man die schieren Fasern hat. Nun findet noch das Spinnen statt,
und endlich webt man dann das Leinen zu groben Stoffen und zu feinen.
Ein edles Tafeltuch hat Stil, die Bluse ist im Sommer kühl.

29 Flachsbrechenfrauen klein

In Asien lebt das Trampeltier, es ist von großem Nutzen hier.
Im Passgang läuft es sehr gewandt durch den heißen Wüstensand.
Das leichte Schaukeln, wenn es geht, als trampeln fälschlich man versteht.
Ein Sandsturm bringt’s nicht aus der Ruh, es kneift die Nasenlöcher zu.
Und Wasser trinkt es eimerweise vor einer langen Wüstenreise.
Sein zartgekräuselt Unterhaar fällt aus von selbst im frühen Jahr.
Und daraus macht man dann die tolle edele Kamelhaarwolle.

29 Stoff Kamel

In Bolivien und Peru sieht man in Herden immerzu
ein Kleinkamel, das jeder kennt und man Alpaka-Lama nennt.
Barbara trägt eine tolle Jacke aus Alpakawolle.
Lumpi wird bestimmt beneidet um seinen Poncho, der ihn kleidet.

29 Alpaka mit 4

Der Himalaja lässt grüßen und zu seinen kargen Füßen,
im kleinen Pamir, steht die Wiege der weltbekannten Kaschmirziege.
Will man ’nen Pulli fabrizieren, braucht man Haar von 15 Tieren.
Leicht und weich er gut gefällt, leider kostet er viel Geld.

29 Pamir mit Lumpi

 

Als anspruchslos, robust und brav, so kennt man das Merinoschaf.
Es lebt zumeist in großen Herden fast überall auf dieser Erden.
Die feinste Wolle – so bekannt – gewinnt man im Australienland.
Das Vaterschaf der vielen Mütter, das nennt man hierzulande „Widder“.
Sein Ahn trug, wie’s in Hellas hieß, das sagenhafte „gold’ne Vlies“.

(Das Fell des Schafes nennt man Vlies)

29 Merinoherde

In Ägypten ist’s so weit, es ist Baumwollerntezeit.
Lumpi und die Barbara sind als Erntehelfer da.
Müssen sich gar kräftig bücken, die Wattebällchen abzupflücken.
Der Strauch trägt Samen, große Mengen, an denen lange Fasern hängen.
Die meisten Textilien in aller Welt werden aus Baumwolle hergestellt.

29 Baumwollfrauen 2

 

Nur staunen können uns’re beiden, hätten sie in alten Zeiten
in Ägypten einst gelebt, trügen sie Bekleidung, die aus Hanf gewebt.
Aus Stängeln kann man Sachen, wie Papier und Seile machen.
Die Samen geben Öl, das besser als die Butter, und geben ebenfalls ein
gutes Vogelfutter.
Aus schöner Blüte aber, damit Du es nur weißt, wird eine böse Droge,
„Cannabis“ diese heißt.

29 Lumpi Stoffe Ägypten 2

Seit Urzeit wurde Stoff aus Naturprodukten gemacht.
Doch dann hat die Chemie sich künstliche Fasern erdacht.
Ob Nylon, Perlon Acryl, der Stoffe gibt’s unendlich viel.
„Meine Schwester, die Polyester“ hieß früher es im Lied.
Wer ahnt denn, dass die Schwester gleich um den Globus zieht.
Gut, wenn die Industrie drauf baut, doch gar nicht gut für uns’re Haut.
Und ein mancher fragt sich nur: „Wo bleibt da die Mutter Natur?“
Kaninchen und Flachs steh’n nicht in Gunst, in dieser Fabrik ist alles nur Kunst.

29 Perlonfabrik

Sahen sich nun Vieles an, wie man sich bekleiden kann.
Und Lumpi sagt: „Na Gott sei Dank hast Du ja viel im Kleiderschrank.
Das Kleid aus Musselin ist schön, nun können wir zu Niko gehen.“
So gehen sie heut’ außer Haus, und

Abenteuer ist nun aus.

29 Stoffe Niko